In seiner Broschüre über den Landkreis Landshut äußert
sich auch das Landratsamt Landshut 2005 über diesen Ort: „Wohl
einmalig in ganz Niederbayern ist die Ortschaft Bödldorf. Dort sind diese
typischen Hafnerhäuser noch erhalten, weshalb der ganze Weiler von
Hausnummer 1 bis 6 als Ensemble in die Denkmalliste aufgenommen wurde.“
Tatsächlich ist Bödldorf seit den 1970er Jahren insgesamt als Ensemble in
die Bayerische Denkmalliste eingetragen: Schon vor der Kröninger
Hafnerhandwerksordnung von 1428 waren hier Hafner tätig. Im Jahr 1474
werden drei Hafner aus Bödldorf erstmals im Steuerregister Teisbach erwähnt.
Die Urkatasterkarte aus dem Jahr 1843 zeigt die erstmals vermessenen und
nummerierten Grundstücke. Noch im Zeitraum von 1767 bis 1903 sind
durchgehend fünf Hafnerwerkstätten nachweisbar – von heute sechs
Anwesen, auf einer flachen Anhöhe 502 m hoch gelegen. Beiderseits der
leicht gekrümmten Straße und umgeben von alten Bauerngärten wie Obstbäumen
liegen die geschützten Baudenkmäler. Bemerkenswert ist – so heißt es in
der Denkmalliste – die bislang ungestörte Bautradition des Weilers,
dessen Bauernhäuser durchwegs noch das alte Flachsatteldach und ein teils
überputztes Blockbauobergeschoss aufweisen. Vom Typus her sind die Bödldorfer
Häuser Einfirsthöfe, nämlich Mitterstallbauten und Mittertennbauten, mit
Hochlaube- und Traufschrot-Balkon. Durch Zubauten im 19. Jahrhundert
entfalteten sich daraus Hakenhöfe sowie Drei- und Vierseithöfe.
Die
Weilerkapelle mit Dachreiter steht seit 1849 an der Bödldorfer Kreuzung.
Gleich daneben findet sich in Hr.1 beim „Mathies“ ein Exemplar
des Rottaler Wohnstallhauses als Blockbau, zum Hof offen, mit kleinem
Giebelschrot. Parallel dazu steht ein Stallstadel mit einem Obergeschoss in
Blockbau, im Kern von 1730. Die Hafnerei wurde 1913 eingestellt, 1937 der
Brennofen abgebrochen. Heute wird das Anwesen landwirtschaftlich betrieben.
Gegenüber
steht in Hr.2 beim „Metzger“ ein Wohnstallhaus von 1838, das gut
erhalten und schrittweise renoviert wird. Ursprünglich war der Wohnteil ein
zweigeschossiger Blockbau, heute ist er im Erdgeschoss teilweise durch
Mauerwerk ersetzt. Der Stall bewahrt noch ein böhmisches Kappengewölbe.
Bis ins 19. Jahrhundert wurde auf diesem Anwesen eine Dorfmetzgerei
betrieben.
Die
Dorfstraße führte früher durch den weiten Vierseithof Hr. 3 beim
„Bauer“. Das Haupthaus stammt aus dem Jahr 1871, das Gesindehaus und
der Heustadel kamen 1910 hinzu, 1963 schließlich der Kuhstall. Bis 1988 hat
man das Anwesen als Landwirtschaft betrieben. Seit 1993 wurde der Hof vom
neuen Besitzer Dr. Gerd Wenninger vollkommen renoviert und dient inzwischen
alls Tagungsstätte samt Unterkunft. Die Süddeutsche
Zeitung berichtete am 31.12.2005 darüber: „Vom Stall ins Seminar. (…
Der) Vierseithof beherbergt nicht nur Hochlandrinder, Ziegen und Katzen,
sondern auch Übernachtungsgäste, die Seminare in einem der drei
Themenbereiche Teamführung, Persönlichkeitsentwicklung und
Verhaltenstraining buchen können.“ Sogar Bayerns Staatsminister
Erwin Huber war im April 2006 und Juni 2009 zu Gast auf diesem Seminarhof, der auch im
Internet zu finden ist (www.hof-boedldorf.de).
Außerdem hat vor sieben Jahren der Asanger Verlag seinen Hauptsitz hierher
verlegt. Mit 300 lieferbaren Buchtiteln zählt Asanger heute zu den
führenden psychologischen Fachverlagen in Deutschland (www.asanger.de).
Eine
exponierte Stellung nimmt das ehemalige Hafneranwesen Hr.4 beim „Uiderl“
ein. Um 1780 wurde der stattliche Mittertennbau als Holzblockbau mit Trauf-
und Oberbodenschrot erbaut sowie später verputzt. Unter dem Haus befand
sich ein 2 m tiefer Tonkeller, und vor dem Haus lag eine 25 qm große
Tongrube. Bis 1928 hat die Familie Zettl auf dem Anwesen die Hafnerei
betrieben. 1930 haben sie dann das Erdgeschoss eingemauert, die Fenster
vergrößert und den Geschirrbrennofen abgebrochen. In den 1930er Jahren
wurde auch der Stadel erneuert, den Backofen hat man bis in die 1950er Jahre
genutzt. Noch immer ist in diesem Hafnerhaus die charakteristische Raumfolge
Wohnteil-Hausgang-Werkstatt-Tenne-Stall zu finden. Dort hat Georg Zettl als
letzter lebender Hafner von ganz Kröning bis 1990 gelebt. Ebenfalls 1990
hat Museumsleiter Lambert Grasmann zum Thema „Beim Uiderl in Bödldorf“
im Heimatmuseum Vilsbiburg eine Sonderausstellung aufgebaut und ein
Sonderheft veröffentlicht. Diesem besonderen Hof widmete die Vilsbiburger
Zeitung am 2.09.2006 wiederum eine Seite unter dem Titel „Der
Handscherm gehörte zum Uiderl - Die Geschichte der Familie Zettl zeigt die
letzte Phase der Kröninger Hafnerkeramik.“
Schräg
gegenüber erreichen wir Hr.5 beim „Gratz“, ein weiteres
ehemaliges Hafneranwesen seit dem 15. Jahrhundert. Der Mitterstallbau ist im
Kern seit 1769 erhalten. Das Obergeschoß ist als Blockbau errichtet und
teilweise verputzt. Um 1810 wurden quer ein geständerter Traidkasten und
Heubodenstadel auch in Blockbau angebaut. Die Hafnerei (mit sogenannter
realer Hafnergerechtsame) wurde bis 1914 ausgeübt, anschließend bis 1980
der landwirtschaftliche Betrieb. Den historischen Stadel hat 1988 das
Landesamt für Denkmalpflege durch aufwendige verformungstreue Bauaufmaße
dokumentiert. 2005 haben die neuen Eigentümer einen alten Kuhstall
abgebrochen, ein neues Wohnhaus errichtet und den baufälligen Stadel
renoviert (www.e-berger.de).
Schließlich
kommen wir zu Hr.6 beim „Martl“, einem weiteren früheren Hafneranwesen, das sehr gut erhalten ist. Das Wohnstallhaus wurde um 1790 in
Blockbau mit Oberbodenschrot und zwei kleinen Traufschroten errichtet und später
teilweise verputzt. 1922 hat man den Hafnereibetrieb beendet, 1941 den
Brennofen abgebrochen und den Stadel versetzt sowie 1976 die Landwirtschaft
auch als Nebenerwerb aufgegeben.
Weitere Bilder und Texte im Buch
"Kröning - Leben im Landshuter Raum"